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The (not) making of Der letzte Mohikaner

Oder: Der Versuch zur Neuverfilmung eines klassischen Stoffes

Making-of-Filme gibt es viele. Ein Not-Making-of dagegen eher selten. Möglicherweise ist dies sogar das erste seiner Art.

Die Idee war schließlich gut:

Der letzte Mohikaner sollte neu verfilmt werden.

Und zunächst sah das Projekt durchaus vielversprechend aus. Die Handlung spielt zwar in Nordamerika – aber einen Wald haben wir in Hessen auch. Und einem Baum sieht man schließlich nicht an, ob er in Connecticut, New York oder Mittelhessen gewachsen ist.

Drehortproblem: gelöst.

Auch der Stoff gibt einiges her: Briten, Franzosen, Huronen, Krieg, Abenteuer und natürlich eine Liebesgeschichte. Dazu Colonel Munro sowie Hawkeye, Chingachgook, Uncas, Magua, Cora und Alice.

Allesamt Charakterköpfe.

Damit beginnen allerdings die Schwierigkeiten.

Denn irgendjemand muss diese ganzen Leute auch spielen.

Natürlich könnte man versuchen, mehrere Rollen selbst zu übernehmen. Spätestens bei Cora und Alice könnte die Glaubwürdigkeit der Produktion darunter jedoch ein wenig leiden.

Und dann sind da noch die aufwendigeren Szenen. Beispielsweise wird jemand von einer Klippe geworfen. Dafür muss man erst einmal einen Darsteller finden, der sich zu einer solchen Form engagierter Mitarbeit bereit erklärt. Am Ende möchte der das vielleicht gar nicht und würde sich vor laufender Kamera dagegen wehren.

Je länger die Vorbereitungen dauern, desto deutlicher wird:

Dieses Filmprojekt braucht Hilfe.

Also wird Marty herbeigerufen. Vielleicht hat er ja eine Idee, wie sich Der letzte Mohikaner mit den vorhandenen Mitteln doch noch realisieren lässt.

Hat er.

Irgendwie.

Nur hat er offenbar ein Detail der Aufgabenstellung katastrophal missverstanden.

Der Film wird nichts. Das Making-of ist fertig.

Normalerweise entsteht ein Film – und anschließend zeigt ein Making-of, wie er gemacht wurde.

„The (not) making of TLM“ dokumentiert daher nicht die Entstehung von Der letzte Mohikaner, sondern ziemlich lückenlos dessen Scheitern bereits in der Planungsphase.

Nach unserem Kenntnisstand könnte es sich damit um eines der ersten Werke eines bislang sträflich vernachlässigten Genres handeln:

das Not-Making-of.

Filmemacher können schließlich nicht immer nur ihre Erfolge dokumentieren. Dadurch entsteht ein völlig falsches Bild.

Auch das Scheitern verdient eine angemessene Dokumentation.

Manchmal ist es sogar wesentlich unterhaltsamer.

Mit kleinen Mitteln, einem Amateurteam und dem Wiesecker Auenland anstelle von Hollywood den vermutlich ersten Not-Making-of-Film der Filmgeschichte zu drehen, ist vielleicht gar keine so kleine Leistung, wie es zunächst klingt.

Und während anderswo im Making-of vor allem gezeigt wird, wie großartig alles gelungen ist, haben wir auch mit dem Scheitern kein Problem.

Wenn bei uns etwas glänzt, ist es auch wirklich Gold.

Und wenn nicht – dann eben nicht.

Dafür gibt es dann wenigstens einen Film darüber.

Überraschungsgaststar im Filmset:

Wer genau hinsieht, entdeckt während der Planungen auf dem Sofa Crystal.

Sie spielt die Rolle der Katze auf dem Sofa – die Rolle liegt ihr auch gut. Sie trägt indirekt zur Lösung der erheblichen Besetzungsprobleme bei. Sie war einfach da – wie Katzen das eben machen, wenn Menschen in ihrer Umgebung merkwürdige Dinge veranstalten. Und sie trug zur Lebensqualität erheblich bei.

Crystal wurde später leider überfahren.

Damit ist dieser beiläufige kleine Auftritt heute etwas, das beim Dreh überhaupt nicht geplant war: eine Erinnerung an einen ganz gewöhnlichen Augenblick, als sie einfach noch da war.

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1 Kommentar

  1. Thorsten Lux Mai 17, 2021

    Ja, bei manchen Verfilmungen scheitert es sicher an den defizitären Grundvoraussetzungen. Aber ich gebe zu: diese Verfilmung hätte ich gerne gesehen – schon um zu sehen, wer da wieder mit Perücke als Frau durchs Bild huscht .:P

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