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Schorsch 5: der gehessische Naturfreund

Noch immer weigern sich Winzigweich, Gockel und Appel beharrlich, die wirklich drängenden Probleme der Digitalisierung anzugehen:

Es gibt keinen vernünftigen hessischen Sprachassistenten.

Dabei haben wir oft genug auf diese eklatante Marktlücke hingewiesen.

Nichts.

Keine Reaktion.

Währenddessen erreichen uns bereits Anfragen nach weiteren Modellen: Sepp für Bayern, August für Sachsen, Ulf für Norddeutschland und Jean fürs Rheinland.

Also gut. Wenn die großen Konzerne nicht wollen, müssen wir das Geschäft eben selbst machen.

Sollen die doch sehen, wer ihnen dann noch Siri, Alexa und Konsorten abkauft!

Mir habbe oft genuch auf die Marktlücke hingeweise – und mir habbe noch ordentlich Platz uffm Konto!

Bis aus dem angehenden Weltkonzern tatsächlich etwas wird, befindet sich Schorsch allerdings weiterhin in freier Wildbahn.

Neil Sugarman schiebt bei Sonnenuntergang sein Fahrrad durch die Kleingartensiedlung, entdeckt etwas am Wegesrand – und findet dort Schorsch.

Man könnte nun meinen, ein Sprachassistent wäre seinem Finder gegenüber wenigstens ein kleines bisschen dankbar.

Man könnte.

Wenig später sitzen beide am Sportplatz. Neil genießt ein Bier …

Tiere und Pflanzen zu bestimmen, ist schließlich ein schönes Hobby für Menschen wie Neil Sugarman.

Schorsch als gehessischer Sprachassistent hat hingegen keinerlei Hobbys – außer eventuell, „seinem Menschen“ den Alkoholmissbrauch zu vermiesen.

Nicht etwa, weil Schorsch herzlos wäre. Ganz im Gegenteil: Schorsch meint es gut.

Er ist sogar ausgesprochen fürsorglich.

Nur wurde er eben hessisch programmiert.

Diplomatie gehört deshalb nicht unbedingt zu seinen Kernkompetenzen. Wenn Schorsch etwas von Herzen kommt, nimmt es auch den direkten Weg nach draußen. Seine Worte werden nicht erst noch mit Blumen tapeziert.

Außerdem hat ein Sprachassistent ohne Arme nur begrenzte Möglichkeiten, seinem Menschen das Bier tatsächlich wegzunehmen. Also muss gelegentlich etwas mehr verbaler Nachdruck genügen.

Dabei beginnt alles vergleichsweise harmlos:

„Was ist das denn für ein Baum?“

Aus dieser einfachen Frage entwickelt sich binnen kürzester Zeit ein Streit über Spechte, Geschmacksproben, dumme Sprüche und die Frage, wie viele davon Neil eigentlich pro Liter Bier zustande bringt.

Dass Schorsch dabei möglicherweise einen gewissen Bogen überspannt, führt schließlich zu einer überraschenden technischen Entdeckung:

Neil demonstriert seinem Sprachassistenten praktisch, dass dieser sogar über einen Flugmodus verfügt, der in der Produktbeschreibung bislang nicht ausdrücklich erwähnt wurde.

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Thema von Anders Norén