Wenn jemand im Jahr 2021 einen Stummfilm dreht, muss es dafür einen guten Grund geben. Oder wenigstens einen ausreichend albernen.
Marty Wallace sitzt in seiner ziemlich leeren Stube und stellt fest: Ihm fehlen Sachen.
Zum Glück gibt es den Versandhandel.
Zum Pech auch.
Denn kaum hat Marty bestellt, beginnt eine Odyssee, bei der ein kleiner Roller, ein bedenklich hoher Stapel Kartons und die Gesetze der Schwerkraft sehr unterschiedliche Vorstellungen davon entwickeln, wie ein Warentransport auszusehen hat.
BOXworld erzählt diese Geschichte als liebevolle Verbeugung vor der Stummfilmkomödie: in Schwarzweiß, mit Zwischentiteln, Erzähler, Klaviermusik und jenem besonderen Verhältnis zur Realität, bei dem eine kleine Unannehmlichkeit grundsätzlich nur der Anfang einer wesentlich größeren Katastrophe sein kann.
Dabei bestimmt das Tempo den Witz. Schnelle Schnitte und wechselnde Kameraperspektiven treiben Marty und seine Fracht durch die Straßen – bis plötzlich gar nichts mehr vorangeht. Marty macht Pause. Die Kartons machen Pause. Der Roller macht Pause.
Nur die Klaviermusik weigert sich standhaft, davon Kenntnis zu nehmen.
Und danach? Weiter. Es gibt schließlich Sachen zu transportieren.
Was sich in den Kartons befindet, warum eine frisch geputzte Wohnung dabei zu einem zusätzlichen Problem werden kann und weshalb Marty schließlich zu einer der bedeutendsten Erfindungen des modernen Versandhandels greift, sei an dieser Stelle nicht verraten.
Nur so viel:
Hinweg und Rückweg können erstaunlich ähnlich aussehen.
BOXworld – auf „Du“ und „Du“ mit dem Versandhandel ist ein kleiner Film über große Kartons, falsche Lieferungen, störrische Gegenstände und einen Mann, der eigentlich nur ein paar Sachen haben wollte.
Ohne Explosionen. Ohne Spezialeffektgewitter. Und sogar fast ohne Worte.
Dafür mit Kartons.
Sehr vielen Kartons.
Idee: Tommy Rogers, Reimund Klang;
Charaktere: Marty Wallace, Neil Sugarman; Regie, Schnitt: Reimund Klang; Kamera: Neil Sugarman, Reimund Klang; Requisiten: Tommy Rogers, Tanja Frieda, Reimund Klang; Musik: Kevin McLeod „Merry go“.